Überall entstehen neue Ladeparks. An Autobahnen, auf Supermarktparkplätzen, auf ehemaligen Tankstellen oder an großen Ausfallstraßen. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist sichtbar – und er wirft eine entscheidende Frage auf:
Sind Ladeparks tatsächlich eine Goldgrube oder nur eine riskante Wette auf die Zukunft der Elektromobilität?
Die Preise an der Ladesäule liegen häufig bei 49 bis 79 Cent pro Kilowattstunde. Gleichzeitig kostet der Bau eines Ladeparks schnell mehrere Millionen Euro. Trotzdem wird Elektromobilität als günstige Alternative zum Verbrenner beworben. Wie passt das zusammen? Um das zu beantworten, habe ich einen Ladepark konkret durchgerechnet – mit realistischen Annahmen zu Baukosten, Strompreis, Netzentgelten, Auslastung und Erlösen.
Ladeparks als Kapitalanlage – warum gerade jetzt so viele entstehen
Der aktuelle Ladeinfrastruktur-Boom fühlt sich ein wenig wie eine Goldgräberstimmung an. Viele Marktteilnehmer sichern sich Standorte, bevor es andere tun. Dahinter steckt weniger kurzfristige Rendite, sondern vor allem eine strategische Entscheidung.
Der Markt befindet sich noch in einer frühen Phase. Gute Standorte sind endlich, und wer heute nicht investiert, hat in einigen Jahren möglicherweise keinen Zugang mehr. Deshalb werden aktuell viele Ladeparks gebaut, obwohl die Auslastung teilweise noch niedrig ist. Wirtschaftlich sinnvoll wird das erst mit steigenden Elektroauto-Zahlen.
Genau hier liegt das Risiko – aber auch die Chance.
Warum Strom für Ladeparks nicht automatisch günstig ist
Ein häufiger Irrtum: Große Ladeparkbetreiber bekommen automatisch besonders günstigen Strom. Im Energiemarkt funktioniert das jedoch anders. Entscheidend ist nicht die Menge an Kilowattstunden, sondern das sogenannte Lastprofil.
Ladeparks benötigen sehr hohe Leistungen in kurzen Zeitfenstern. Mehrere Fahrzeuge laden gleichzeitig mit 150, 300 oder sogar 350 kW. Diese Leistungsspitzen verursachen hohe Kosten – vor allem bei den Netzentgelten. In vielen Fällen sind diese Netzentgelte teurer als der eigentliche Strompreis.
Gerade kleinere Ladeparks sind davon stark betroffen. Wenn einmal im Jahr alle Ladepunkte gleichzeitig genutzt werden, kann bereits die maximale Anschlussleistung voll abgerechnet werden. Größere Ladeparks haben hier Vorteile, weil sich die Leistung besser verteilt.
Netzentgelte sind der wahre Kostentreiber
In der Praxis zeigt sich schnell: Nicht der Strompreis entscheidet über die Wirtschaftlichkeit eines Ladeparks, sondern die Netzkosten.
Bei kleinen Standorten liegt die abgerechnete Leistung oft bei 80 bis 90 Prozent der maximal möglichen Leistung. Bei größeren Parks sinkt dieser Wert auf 50 Prozent oder sogar darunter. Je größer der Ladepark, desto effizienter lässt sich die Infrastruktur nutzen.
Das erklärt, warum viele Betreiber auf große Ladehubs setzen – selbst wenn diese deutlich teurer in der Errichtung sind.
Eigene Stromerzeugung als Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit
Ein echter Hebel entsteht durch die Kombination von Ladepark und eigener Photovoltaik-Anlage. Große PV-Anlagen mit 600, 800 oder über 1.000 kWp können einen erheblichen Teil des Strombedarfs decken. Der große Vorteil: Für selbst erzeugten Strom fallen keine Netzentgelte an.
In der Praxis sind dadurch Stromkosten von rund 15 Cent pro Kilowattstunde netto realistisch. Wenn im Jahresdurchschnitt 40 bis 50 Prozent des Stroms aus eigener PV stammen, verbessert sich die Wirtschaftlichkeit des Ladeparks deutlich.
Zusätzlich spielt Grünstrom eine immer größere Rolle – sowohl im Hinblick auf ESG-Kriterien als auch wegen der THG-Quote, die zusätzliche Erlöse ermöglichen kann.
Standort schlägt Preis
Beim Laden geht es nicht nur um den Preis pro Kilowattstunde. Laden ist kein Ersatz für Tanken – es ist ein völlig anderes Nutzungskonzept.
Erfolgreich sind Standorte, an denen das Auto ohnehin steht: beim Einkaufen, während der Arbeit, beim Essen oder auf längeren Reisen mit sinnvoller Infrastruktur. Überdachung, Beleuchtung, Toiletten oder Gastronomie erhöhen die Aufenthaltsqualität und damit die Auslastung.
Ein günstiger Preis allein reicht nicht, wenn der Standort schlecht ist.
Warum die Ladepreise aktuell noch hoch sind
Viele wundern sich über das Preisniveau an öffentlichen Ladesäulen. Doch ein Blick auf den Kraftstoffmarkt zeigt: Preisschwankungen von 10 bis 20 Cent pro Liter sind dort völlig normal – besonders an Autobahnen.
Beim Laden sind wir noch in einer frühen Marktphase. Die Preise spiegeln nicht nur die Kosten wider, sondern auch die geringe Auslastung. Erst wenn mehr Elektroautos unterwegs sind und die Ladepunkte häufiger genutzt werden, können die Preise nachhaltig sinken.
Fazit: Goldgrube Ladepark – aber nur unter klaren Bedingungen
Ein Ladepark kann ein gutes Investment sein – aber nicht automatisch. Entscheidend sind der Standort, die Anschlussleistung, die Netzentgelte, der Einsatz eigener Stromerzeugung und vor allem die zukünftige Auslastung.
Der Markt wird sich in den kommenden Jahren konsolidieren. Nicht jeder Standort wird sich rechnen, und nicht jeder Betreiber wird bleiben. Wer heute investiert, geht eine Wette auf die Zukunft ein – mit Chancen, aber auch mit Risiken. Ein guter Standort wird sich auch in den nächsten Jahren rechnen
Klar ist jedoch:
Die Elektromobilität wächst – und mit ihr die Bedeutung gut geplanter Ladeinfrastruktur.