Statische Premiere, große Ankündigung: Der CUPRA Raval will zeigen, dass Elektromobilität nicht brav sein muss.
Es gibt Autopremieren, bei denen man das Gefühl hat, man schaut sich eine Excel-Tabelle auf vier Rädern an. Und dann gibt es Premieren, bei kommst du rein, siehst das das Auto – bist völlig begeistert und ärgerst dich, dass du noch nicht fahren darfst. Der CUPRA Raval gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Ich war bei der statischen Weltpremiere dabei und hatte einen besonderen Begleiter mit im Gepäck: Fabian Meßner von autophorie.de, der mir beim Rundgang ums Auto wertvolle Einschätzungen geliefert hat. Vielen Dank an dieser Stelle, Fabian – das hat Spaß gemacht! Und Herzlichen Glückwunsch zu den 100.000 Youtube Abonennten für Deinen Kanal.
Gemeinsam haben wir das Auto ausgiebig vor der Kamera – außen wie innen – und ich kann euch sagen: Da steckt mehr drin, als der Einstiegspreis von 26.000 Euro vermuten lässt.
Raval – der Name ist Programm
CUPRA hat den Raval nach dem Stadtteil El Raval in Barcelona benannt – dem kreativsten, trotzigsten, freigeistigsten Viertel der Stadt. Das ist kein Zufall. Der Raval soll zeigen, dass ein Elektroauto unter 30.000 Euro nicht aussehen muss wie ein aufgemotzter Kleinwagen aus dem Elektro-Pflichtprogramm eines Konzerns. Hier hat jemand tatsächlich Lust gehabt.
Außen: Helm, Haifisch und ein bisschen Provokation
Das Design polarisiert – und das ist gewollt. Die Silhouette erinnert an einen Helm, die Front ist vom sogenannten Sharknose-Design geprägt: spitz, scharf, kantig. Matrix-LED-Scheinwerfer, bündig eingelassene beleuchtete Türgriffe, ein durchgehendes Rücklicht – das ist kein braver Stadtflitzer, das ist ein Statement.
Besonders auffällig: die neue Lackierung „Plasma“, die je nach Lichteinfall zwischen Cyan, Blau, Indigo und Rosarot changiert. Dazu matte Optionen wie Manganese Green oder Century Bronze, wahlweise mit zweifarbigem Dach. Wer möchte, kann sich hier richtig austoben – bis zu sieben Außenfarben, acht Felgendesigns von 17 bis 19 Zoll.
Das Auto misst genau 4,04 Meter in der Länge, ist 1,78 Meter breit und 1,52 Meter hoch. Kompakt, aber mit einem Radstand von 2,60 Metern und 430 Litern Kofferraum – mehr als man von außen erwartet.
Innen: Mehr Persönlichkeit als die meisten Autos doppelter Preisklasse
Wer reinsitzt, merkt schnell: Hier wurde nicht gespart, sondern priorisiert. Das 12,9-Zoll-Infotainmentsystem läuft auf Android – als erster CUPRA überhaupt. Das bedeutet native Apps, direkter Zugriff auf YouTube und Spotify wenn geparkt, und eine Bedienung, die sich nicht anfühlt wie von 2018. Dazu ein 10,25-Zoll Virtual Cockpit mit 200 dpi Pixeldichte.
Die Ambientebeleuchtung verdient besondere Erwähnung: Sieben wählbare Stimmungswelten, dynamische Lichtprojektionen in den Türverkleidungen und ein sogenanntes Smart Light, das Fahrerassistenzsysteme visuell kommuniziert. Das ist kein Deko-Licht, das ist Informationsdesign.
Drei Innenraumlinien stehen zur Wahl: PULSE mit recycelten Stoffen, IMMERSIVE mit elektrisch verstellbaren Schalensitzen in Dinamica-Mikrofaser, und FEEL mit veganem Leder. Das Top-Paket AHEAD bietet sogar CUP-Bucket-Sitze mit vollständig 3D-gestrickter Polsterung – jeder Sitzbezug auf Bestellung, aus 100 Prozent recyceltem Material. Das ist in dieser Preisklasse schlicht einzigartig.
Klanglich setzt CUPRA auf ein serienmäßiges Sieben-Lautsprecher-System, das optional durch ein Sennheiser-System mit zwölf Lautsprechern und 475 Watt ersetzt werden kann – speziell für den Raval entwickelt.
Antrieb: Vier Varianten, eine klare Empfehlung
Der Raval kommt mit zwei Akkugrößen und vier Motorisierungen auf den Markt. Die Einstiegsversionen Raval (85 kW / 116 PS) und Raval Plus (99 kW / 135 PS) teilen sich einen 37-kWh-LFP-Akku mit rund 300 km Reichweite und laden DC mit bis zu 90 kW in 27 Minuten von 10 auf 80 Prozent.
Die interessanteren Varianten sind Endurance (155 kW / 211 PS) und VZ (166 kW / 226 PS) mit 52-kWh-NMC-Akku, rund 450 km Reichweite beim Endurance und 130 kW DC-Ladeleistung – von 10 auf 80 Prozent in 23 Minuten.
Das Fahrwerk sitzt 15 mm tiefer als die MEB+-Plattform vorgibt, mit verbreiterter Spurweite, adaptiven Stoßdämpfern mit bis zu 15 Einstellungsstufen und progressiver Lenkung. Fahren durfte ich den Raval noch nicht – aber die Papiere lesen sich nach echtem CUPRA-Charakter, nicht nach aufgehübschtem Vernunftauto.
Die Topversion VZ bekommt zusätzlich ein elektronisches Sperrdifferenzial, DCC-Sportfahrwerk mit erhöhter Steifigkeit, ESC-OFF-Modus und 19-Zoll-Räder mit 235-mm-Reifen. Wer die e-Launch-Funktion aktiviert, bekommt beim Anfahren eine koordinierte Abfolge aus Licht, Cockpit-Animation und Soundeffekt – Formel-E-Feeling für die Einfahrt ins Parkhaus.
Sicherheit: Sieben Airbags, Remote Parking und Pre-Crash
Für ein Stadtauto dieser Preisklasse ist das Sicherheitspaket bemerkenswert. Sieben Airbags inklusive zentralem Airbag, Travel Assist, Emergency Assist, 360-Grad-Kamera, Remote Park Assist per Smartphone – und eine Pre-Crash-Funktion, die nicht nur Front- und Heckaufpralle erkennt, sondern auch seitliche Kollisionen und das Fahrzeug aktiv vorbereitet.
Marktstart und Preis des CUPRA Raval
Der CUPRA Raval kommt im Sommer 2026 auf den Markt, produziert im Werk Martorell in Barcelona auf Basis des MEB+-Baukastens. Zur Markteinführung stehen drei Launch-Editionen bereit: Dynamic, Dynamic Plus und VZ Extreme – letztere mit CUP-Bucket-Sitzen, 19-Zoll-Felgen in Sulfur Green und Manganese-Matt-Lackierung.
Der Einstiegspreis liegt bei 26.000 Euro für die Basisversion – so richtig interessant wird es aber erst, wenn man etwas drauflegt und die stärkeren Versionen bestellt. Das ist, wenn das Fahrverhalten hält, was die Papiere versprechen, ein echter Angriff auf alles, was in diesem Segment bisher als Maßstab galt. Dafür lag unser Vorführwagen – mit allen Extras – wohl auch bei über 40.000 Euro.
Fahren werde ich den Raval noch. Wenn es soweit ist, gibt es den ausführlichen Praxistest hier auf 163grad.de und auf dem 163 Grad YouTube-Kanal. Das Premiere-Video mit dem ersten Blick auf das Auto außen und innen ist schon online – Link oben im Post.
Wie findet ihr den Raval? Zu wild, genau richtig, oder genau das, was dem Elektroauto-Markt gefehlt hat? Schreibt gerne in die Kommentare unter dem Youtube Video.