ARD Kontraste – Gläserner Autofahrer – Verstösst Tesla gegen Datenschutz ?

163 Grad im Beitrag von ARD Kontraste zum Tesla Datenschutz

gläserner Autofahrer | ard kontraste

Tesla Dashcam und Sentry Mode – mit 8 Kameras filmt mein Tesla Model 3 seine Umgebung im öffentlichen Strassenverkehr. Ist das eigentlich erlaubt?

In der letzten Woche war ich in Berlin und habe mit einem Team vom rbb für das Magazin Kontraste gedreht. Der Beitrag ist am Donnerstag um 21.45 in der ARD zu sehen. Im Kern geht es darum, was die Tesla Kameras filmen, wo die Aufnahmen landen und ob das alles mit dem europäischen Datenschutz vereinbar ist.

Datenschutz-Erklärung auf JA gestellt

Aus meiner Sicht hat Tesla bei der Datenschutzerklärung klare Worte gefunden. Im Fahrzeug werden 2 Einstellungen abgefragt.

Die erste Abfrage regelt die Weitergabe von Daten wozu auch Videosequenzen gehören. Dabei werden keine Live Daten übertragen sondern nur ausgewählte kurze Videosequenzen, die bei der Weiterentwicklung der Tesla Software z.B. für autonomes Fahren weiterhelfen sollen. Diese Funktion habe ich in meinem Tesla auf NEIN gesetzt und für die Dreharbeiten auf JA umgestellt.

Datenschutzerklärung im Tesla Model 3

Die zweite Abfrage regelt die Weitergabe von Echtzeitverkehrsdaten, Navigationsdaten für die Online Routenplanung, Autopilot und Summon. Diese Funktion steht bei mir auf JA, da sonst die Navigation mit Online-Verkehrsdaten (also z.B. der Berücksichtigung von Stauumfahrungen) nicht möglich ist. Im Test mit dem rbb stand auch diese Funktion auf JA.

In beiden Fällen werden die Daten laut Tesla Datenschutzerklärung anonymisiert und sind nicht mit der Fahrgestellnummer meines Tesla Model 3 verknüpft.

Tesla Sentry Mode

Besonderes Interesse galt dem Sentry Mode – einer Videoüberwachung, wenn der Wagen abgestellt ist. So lässt sich z.B. ein Aufbruch des Fahrzeuges oder eine Beschädigung mit Fahrerflucht nachweisen und zur Anzeige bringen. Der Sentry Mode wurde zwar in seit der Einführung deutlich verbessert, löst aber immer noch gelegentlich aus, obwohl kein Kontakt zum Fahrzeug stattgefunden hat.

Auch müsste der Passant, der an dem Auto vorbeigeht, theoretisch vorher informiert werden, dass er gefilmt werden kann, wer ihn filmt, wofür und wie lange die Aufnahmen aufbewahrt werden. Das alles findet so natürlich nicht statt, was dann zu Bedenken von Datenschützern führt.

Diese Funktion muss vom Tesla Fahrer bewusst eingeschaltet werden. Wer sich damit nicht wohl fühlt, lässt diese Funktion aus.

Tesla Dashcam

Ihr kennt ganz sicher die irren Dashcam Videos auf YouTube. Meist kommen sie aus Russland, wo die Verkehrsregeln wohl eher etwas mit Hubraum und Leistung zu tun haben.

Die Tesla Dashcam filmt seit dem neuesten Update nur noch 1 Stunde lang in einer Schleife. Sofern Tesla-Fahrer ein berechtigtes Interesse hat, z.B. wenn er im Strassenverkehr genötigt wird, kann er die aktuelle Sequenz speichern lassen. Das passiert auch automatisch, wenn man hupt – zumindest, wenn man das so eingestellt hat.

So mancher Autofahrer konnte mit seiner Dashcam Aufnahme eine Unfallsituation aufklären und der gegenüber Polizei belegen, wie es zu diesem Unfall kam. Dieses Feature finde ich persönlich sehr sinnvoll und habe es in meinem Tesla auch aktiviert.

Datenübertragung in die USA

Ein Knackpunkt ist die Datenübertragung des Tesla Model 3 in die USA. Sobald das Model 3 ins WLAN kommt, nimmt es Kontakt mit der Heimat auf. Das rbb Team hat eine solche Datenübertragung im WLan mitgeschnitten und ausgewertet.

Dabei lässt sich nur auswerten, wieviele Datenpaket wohin und in welcher Grösse übertragen wurden. Der Paketinhalt ist verschlüsselt und lässt sich nicht bestimmen.

Nach dem, was ich von der Auswertung mitbekommen haben, wurden viele Telemetriedaten übertragen – auch in die Amazon Cloud und zum Teil auch direkt in die USA. Die übertragenen Pakete waren aber deutlich zu klein, als dass es sich hier um Videomaterial hätte handeln können.

E-Cannonball 2020