BMW iX3 – die neue Klasse ist da und zeigt, was möglich ist – wenn man wirklich von vorne anfängt.
Es gibt Momente im Leben eines Elektroauto-Testers, die sich anfühlen wie ein gutes Timing. Gerade noch telefoniert, schon sitze ich drin. Der BMW iX3 – die sogenannte „neue Klasse“ – stand länger auf meiner Liste, und dann hat es einfach geklappt. Vielen Dank an dieser Stelle an die Wellergruppe hier in Hamburg, die mir das Fahrzeug zur Verfügung gestellt hat. Ein Autohaus, dem ich persönlich seit Jahren vertraue.
Aber genug Vorrede. Was kann das Auto?
Eine neue Plattform – und das merkt man
BMW hat beim iX3 nicht einfach einen Verbrenner elektrifiziert, sondern wirklich neu angefangen. Neue Plattform, 800-Volt-Architektur, neue Motoren, neues Fahrwerk, ein neuer Zentralprozessor namens „Heart of Joy“. Das sind keine Marketing-Versprechen, das spürt man auf den ersten Metern.
Das Auto misst 4,78 Meter in der Länge, ist 1,90 Meter breit und 1,64 Meter hoch. Damit ist es ein echtes SUV, das sich in der Stadt aber noch gut handhaben lässt. Allradantrieb ist serienmäßig, der iX3 50 kommt auf 460 PS und schafft den Sprint von 0 auf 100 in 4,9 Sekunden, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Im Moment gibt es nur diese eine Version – weitere Varianten, darunter wahrscheinlich ein Heckantriebsmodell mit mehr Reichweite und eine M-Version, sollen folgen.
Design: Von hinten ein Traum, von vorne Geschmackssache
Ich sage es so, wie ich es empfinde: Von vorne polarisiert der iX3. Das breite, sehr präsente Gesicht mit dem bulligen Unterbau erinnert mich an einen neuen M2 – und das ist für mich kein Kompliment. BMW war für mich immer die feine Klinge: elegant, sportlich, leicht. Dieses aufgeplusterte Breitformat passt nicht ganz zu dem Bild, das ich von der Marke im Kopf habe.
Aber – und das ist ein großes Aber – von der Seite und von hinten ist das Auto wirklich gelungen. Die klaren Linien, der Hofmeisterknick an der C-Säule, die Proportionen eines reinen Elektroauto-Radstands: Das sieht gut aus. Mein Testwagen kam in „Polarized Grey“ – ein Metallic-Lack, der in der Sonne schimmert und dem Fahrzeug eine gewisse Noblesse verleiht. Dazu 22-Zoll-Räder mit 255er vorne und 275er hinten. Macht was her.
Innen: Modern, aber nicht für alle
Das Cockpit ist klar auf die Zukunft ausgerichtet. Das Highlight: eine Projektion unter der Windschutzscheibe, ähnlich wie bei Peugeot, die wichtige Informationen direkt ins Sichtfeld spiegelt – gestochen scharf, auch bei Sonnenlicht, ohne dass man den Fokus wechseln muss. Das ist wirklich durchdacht.
Dazu ein 17,9-Zoll-Mitteldisplay, leicht angewinkelt, gut ablesbar. Und ein Head-up-Display, das man eigentlich kaum noch braucht, weil die Projektion darunter schon fast dieselbe Funktion übernimmt.
Was mich begeistert: Das Ambientelicht ist für BMW-Verhältnisse eher bescheiden ausgefallen – und das gefällt mir gut. Zu bunt beleuchtet möchte ich nicht durch die Nacht fahren. Und das Vierspeichen-Lenkrad in der Basisversion ist – nett gesagt – nicht mein Freund. Zum Glück gibt es mit dem M Sportpaket eine vernünftige Alternative.
Die Platzverhältnisse sind für ein Auto dieser Klasse exzellent: vorne wie hinten reichlich Kopf- und Beinfreiheit, ein Kofferraum von über 500 Litern, ein kleiner Frunk für das Ladekabel. Und wer einen Anhänger braucht: Die integrierte Anhängerkupplung klappt auf Knopfdruck heraus.
Das Fahren: Hier liegt die eigentliche Stärke
Wenn ich ehrlich bin, ist das Fahrwerk das, worüber ich am längsten sprechen könnte. Es ist sportlich straff, ohne zu nerven – ein Kompromiss, den nicht viele Autos so gut hinbekommen. Über die berüchtigte Hoppelstrecke in meinem Testrevier bügelt der iX3 alles weg, ohne dabei das Feedback vollständig zu unterdrücken. Man weiß, was auf der Straße passiert, spürt es aber nicht in den Knochen. Und das mit 22-Zoll-Felgen und 35er-Niederquerschnittsreifen.
Auf der Autobahn zeigt der iX3, was „Heart of Joy“ bedeuten soll. Bei 130 km/h auf das Gaspedal treten und der Wagen schiebt – lautlos, ohne Schalten, ohne Ruckeln – bis auf 212 km/h. Das ist nicht nur eine Zahl. Das ist eine überzeugende Vorstellung.
Assisted Driving: Nah dran an echter Autonomie
Eindrucksvoll war auch das Assisted-Driving-System, das ich auf der Autobahn ausgiebig testen konnte. Mit einem Tastendruck übernimmt das Fahrzeug – Lenkung, Spurhaltung, Temposteuerung bis 130 km/h. Was das System von früheren Lösungen unterscheidet: Es agiert vorausschauend. Es erkennt bereits, dass sich in 200 Metern jemand einschert, und schlägt den Spurwechsel vor, bevor man selbst reagiert. Ich habe dabei mehrere Minuten lang das Lenkrad nicht berührt. Das System blinkt, zieht rüber, passt die Geschwindigkeit an. Beeindruckend.
Reichweite und Laden: Fast zu gut für einen Alltagstest
Der 108-kWh-Akku ermöglicht laut Prospekt zwischen 678 und 805 Kilometer Reichweite – ich schätze die Praxisreichweite auf solide 500 km+, selbst bei zügiger Autobahnfahrt. Der Verbrauch im Test lag bei rund 21 kWh/100 km, bei moderater Fahrweise sind deutlich unter 20 kWh drin.
Eine Besonderheit: Das Auto kann mit bis zu 400 kW DC laden. In der Praxis habe ich das leider nicht vollständig testen können – zum einen, weil passende 400-kW-Säulen rar sind, zum anderen, weil im Testwagen die Batterieschonung aktiviert war. Diese Funktion drosselt die Ladeleistung bewusst, um den Akku langfristig zu schonen. Ein sinnvolles Feature – aber man muss wissen, dass es existiert. Sobald ich es deaktiviert hatte, stieg die Ladeleistung spürbar. Die Ladezeit bis 80 Prozent sollte bei optimalen Bedingungen bei rund 20 Minuten liegen. Das ist für einen 108-kWh-Akku wirklich beachtlich.
Übrigens: Ich musste den Wagen für den Ladetest bis nachts zwischen Hamburg und Lüneburg hin- und herfahren – mehrfach, mit Vollgas –, nur um den Akku unter 20 Prozent zu bekommen. Das sagt eigentlich alles.
Fazit: Eine echte neue Klasse
Der BMW iX3 ist das Elektroauto, bei dem man merkt, dass die Branche auf einem neuen Level angekommen ist. Kein Vergleich zum Vorgänger. Die Reichweite, die Effizienz, das Fahrwerk, das Assistenzsystem – das alles spielt zusammen wie aus einem Guss. Wer jetzt einen bestellt, bekommt ihn frühestens 2027: Die Jahresproduktion ist bereits ausverkauft.
Der Preis? Ab rund 74.000 Euro in der Basisversion, realistisch mit sinnvoller Ausstattung eher Mitte 80.000 Euro. Für Gewerbekunden und Großabnehmer gibt es attraktive Leasingkonditionen – bei Interesse gerne melden.
Mein persönliches Fazit: Technisch gesehen ist dieser iX3 kaum zu kritisieren. Mein einziger Vorbehalt ist rein subjektiv – ich bin mit SUVs persönlich gerade etwas durch und wäre eher ein Kandidat für den i3 als Limousine oder gar als Touring. Aber das ist meine ganz persönliche Marotte, kein Mangel des Fahrzeugs.
Welcher Typ seid ihr – iX3, i3 oder i3 Touring? Schreibt es in die Kommentare. Und das komplette Video gibt es natürlich auf dem 163 Grad YouTube-Kanal.