THG Quote für Elektromobilität – Standhaft bleiben oder Geld einstecken ?

Geld für Nix ?

thg quote 2022 für elektromobilitaet
thg quote 2022 für elektromobilitaet

E-Autofahrer können pro Jahr bis zu 250 bis 350 Euro pro Jahr für Ihre Emmissionsrechte bekommen. 163 Grad zeigt Euch, was hinter der sogenannten THG Quote steckt.

Es klingt fast zu schön um wahr zu sein: Als Elektroauto-Fahrer kannst Du mit 5 Minuten Aufwand bis zu 350 Euro verdienen – und das jedes Jahr. Und das ganz offiziell, per Gesetz beschlossen. Dahinter steht die THG Quote – ein Begriff, den sich Elektroauto-Besitzer merken sollten.

THG steht für Treibhausgas. Den gesetzlichen Rahmen dafür gibt das Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG) vor. Es geht um das Reduzieren von Treibhausgasen, die von fossilen Kraftstoffen – also Benzin und Diesel – verursacht werden. Das gilt für alle, die mehr als 5.000 Liter Diesel- oder Otto-Kraftstoff pro Jahr in Verkehr bringen – also die Mineralölindustrie. Ausgenommen davon sind Heizöl, Flugbenzin und Kraftstoffe, die der Bundeswehr geliefert werden.

Treibhausgase ohne Limit

Das Gesetz sieht seit Jahren schon prozentuale Einsparungen vor. Dafür werden Benzin und Diesel mit Bio-Kraftstoffen (z.B. Ethanol) versetzt. Seit 2018 dürfen auch Einsparungen durch die Verwendung von elektrischem Strom für Elektromobilität angerechnet werden. Bislang aber nur durch Energieversorger für die Ladevorgänge an deren Ladeparks. Der dort abgegebenen Strom in kWh kann in eine Ersparnis an Treibhausgasen umgemünzt werden. Und die darf z.B. an die Mineralölkonzernen verkauft werden, die damit Ihrerseits die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und Ihre Referenzwerte erreichen.

So entsteht eine Art moderner Ablasshandel. Und das beste daran: Die absolute Menge an klimaschädlichen Treibhausgasen ist nicht vorgegeben. Es geht immer nur um eine anteilige Reduktion von z.B. 6% für das Jahr 2020 auf Basis der verkauften Treibstoffmenge – wie hoch auch immer die ist.

Jeder Elektroauto Besitzer kann seine THG Quote verkaufen

Mit der 38. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) wir dieser Handel um eine weitere Komponente ergänzt. Jetzt darf sich auch jeder Elektroauto-Besitzer für den Strom seines Elektroautos ein THG Zertifikat ausstellen lassen und dieses an die Mineralölindustrie verkaufen. Dazu bedarf es nur eines formlosen Antrages zur Überprüfung durch das Bundesumweltamt. Nach der Prüfung kann ein THG Zertifikat vergeben werden. Zuständig dafür ist das Hauptzollamt Frankfurt Oder mit Dienstsitz in Cottbus.

Für die Berechnung der THQ Quote wird ein Durchschnittswert genommen, den das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) festlegt. Für 2022 liegt dieser bei 1.943 kWh Strom pro Elektroauto. Völlig unerheblich ist die tatsächliche Fahrleistung, und die Frage, ob ÖkoStrom, Strom von der eigenen PV oder aus dem Netz geladen wird. Gerechnet wird immer nur mit 1.943 kWh.

THG Quote als Geschäftsmodell für Startups

Ganz sicher möchten die Mineralölkonzerne nicht mit jedem E-Auto-Fahrer einzeln verhandeln. Deshalb sind jetzt diverse Startups aktiv geworden, die hier Ihr Geschäftsmodell sehen. Sie holen die THG Zertifikate für die E-Autofahrer ein und verkaufen diese gebündelt. Einmal in 5 Minuten auf der jeweiligen Webseite des Anbieters registriert, gibts im nächsten Jahr schon Geld ohne weiteren Aufwand. Versprochen werden hier Beträge von 200 bis 350 Euro. Nach meinen Informationen werden die THG Quoten teilweise über 400 Euro gehandelt. Es bleibt also noch genug Luft für ein valides Geschäftsmodell.

Was bringt die THG Quote für die Elektromobilität ?

Womit wir dann bei der entscheidenden Frage sind: Soll ich meine THG Quote verkaufen, oder nicht? Und die Frage habe ich in dem aktuellen Video diese Woche gestellt. Da auf meine Firma immerhin 3 Elektroautos zugelassen sind, geht es hier schon um rund 1.000 Euro im Jahr, die man als Kaufmann sicherlich nicht so einfach ignorieren kann.

Auf der anderen Seite hat die THG Quote für mich keine erkennbare Lenkungswirkung. Eine positive Wirkung auf die Elektromobilität, die sich viele einreden, ist für mich auch nicht erkennbar. Für 250 Euro im Jahr kauft sich keiner ein Elektroauto. Das Argument, dass der Staat die Quoten sowieso verkauft ist sachlich falsch und dient allenfalls als Rechtfertigung, sich das Geld einzustecken.

Ich bin mir noch nicht sicher, was ich machen werde. Bis Ende Februar 2022 müssen die Anbieter THG Quoten gemeldet haben, um sie handeln zu können. Es bleibt also noch etwas Zeit zum überlegen.


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Ihr Berater zum Thema Elektromobilität und saubere Energie