Eigentlich wollte ich keine Hybridautos mehr testen. Dann kam der BYD Dolphin G Test — und hat mich eines Besseren belehrt. Denn was BYD hier auf die Straße gestellt hat, ist kein halbherziger Kompromiss für Reichweitenängstliche, sondern ein durchdachtes Konzept: über 100 km rein elektrische Reichweite, kombiniert mit einer Gesamtreichweite von über 1.000 km. Das verdient einen zweiten Blick.
Getestet habe ich den Dolphin G in Berlin — in Komfort-Ausstattung, vor dem Olympiastadion und mittendrin im Berliner Berufsverkehr. Das Video dazu:
BYD Dolphin G Test: Was steckt hinter dem Konzept?
Der Dolphin G ist kein klassischer Hybrid, bei dem der Verbrenner die Hauptrolle spielt und ein kleiner Elektromotor gelegentlich mithilft. Das Konzept ist umgekehrt: Im Alltag fährt das Auto elektrisch — mit einer Batterie, die in der relevanten Boost-Ausstattung 18,3 kWh fasst und damit über 100 km rein elektrische Reichweite ermöglicht. Wer pendelt, tankt nie. Wer weite Strecken fährt, hat den 42-Liter-Tank als Backup — und kommt damit auf über 1.000 km Gesamtreichweite.
Das Auto steht auf einer neu entwickelten Plattform, die BYD speziell für den europäischen Markt gebaut hat — in China gibt es den Dolphin G in dieser Form nicht. Das Ergebnis ist eine Elektroauto-würdige Raumausnutzung: langer Radstand, kein störender Mitteltunnel, viel Platz trotz kompakter Außenmaße von rund 4,10 m. BYD Blade-Akkutechnologie ist selbstverständlich mit an Bord — von einem der größten Batteriehersteller der Welt darf man das auch erwarten. BYD baut seit einiger Zeit konsequent sein Stadtauto-Portfolio aus: Den BYD Dolphin Surf und den BYD Atto 2 habe ich bereits getestet — der Dolphin G ergänzt dieses Segment nun um die Hybrid-Option.
Hybrid-Antrieb: So smooth funktioniert das Zusammenspiel
Der 1,5-Liter-Benziner (95 PS) und der Elektromotor (163 PS) ergeben kombiniert über 210 PS. Damit kommt der Dolphin G in rund 8 Sekunden auf Tempo 100 und fährt bis zu 180 km/h. Das sind keine Papierzahlen für die Vermarktung — das fühlt sich auf der Straße entsprechend an.
Was mich wirklich überrascht hat, ist der Übergang zwischen beiden Antriebsarten. Der Verbrenner kann in zwei Modi laufen: entweder als reiner Generator, der die Batterie auf einem gewünschten Ladestand hält, oder direkt mit der Antriebsachse verbunden, wenn volle Leistung gefordert wird. Und dieser Wechsel passiert so unmerklich, dass man ihn schlicht nicht spürt. Kein Rucken, kein Aufheulen, kein Moment des Übergangs. Wer noch den BMW i3 mit Range Extender in Erinnerung hat — das hier ist etwas völlig anderes.
Im Stadtverkehr bin ich die gesamte Runde durch Berlin rein elektrisch gefahren. Kein einziger Grund, den Verbrenner zu aktivieren. Auf der Kraftfahrstraße Richtung Potsdam ebenso. Wer täglich unter 100 km fährt und zuhause oder beim Einkaufen lädt, wird den Tank kaum anrühren.
Innenraum: Elektroauto-Feeling in einem Hybridgehäuse
Das Cockpit macht einen guten ersten Eindruck. 12-Zoll-Touchdisplay in der Komfort-Ausstattung (Standard: 10 Zoll), Google Maps nativ an Bord, Apple CarPlay verfügbar, Play Store für Apps. Die Bedienung ist intuitiv, das Menüsystem übersichtlich.
Was besonders auffällt: die Sitze. Gut konturiert, ausreichend lang — ein klassisches Manko vieler chinesischer Autos, das BYD hier offensichtlich bewusst angegangen ist. Vorne sitzt man gut, hinten ist der Platz durch den langen Radstand für ein 4,10-m-Auto überraschend großzügig. Der Kofferraum fasst 425 Liter — mit umgeklappter Rückbank sogar über 1.200 Liter. Für ein Auto dieser Außengröße ist das bemerkenswert.
Zwei kleine Kritikpunkte: Der Startknopf ist in der Mittelkonsole versteckt und kaum erkennbar — hell grau auf silber, nicht wirklich intuitiv. Und das typisch asiatische Gong-und-Piepe-Konzert der Assistenzsysteme ist gewöhnungsbedürftig, lässt sich aber abstellen.
Preise und Ausstattung: Ab wann macht der Dolphin G Sinn?
Es gibt vier Varianten. Den Einstieg bildet der Active bei 28.990 Euro — allerdings nur mit dem kleinen 7,4-kWh-Akku (40 km elektrische Reichweite, kein CCS). Wer das volle Potenzial nutzen will, steigt besser beim Boost ein: 31.990 Euro, großer Akku, CCS-Schnellladen mit 29 kW, 100+ km Reichweite und das 12-Zoll-Display. Der Komfort kostet 33.490 Euro und bringt zusätzlich 18-Zoll-Felgen, Panoramadach, 360-Grad-Kamera und Head-up-Display. Das Sport-Modell liegt bei 34.490 Euro und unterscheidet sich vom Komfort ausschließlich optisch.
Hinzu kommt eine bemerkenswert gute Garantie auf Batterie und Antriebseinheit — BYD produziert beides selbst, was die Zusage glaubwürdig macht.
Mein Fazit aus diesem BYD Dolphin G Test: Das Auto macht das, wofür es gedacht ist, sehr überzeugend. Wer elektrisch fahren will, aber die Abhängigkeit von der Ladeinfrastruktur scheut, bekommt hier einen ehrlichen Ausweg — keinen faulen Kompromiss. Die Plattform ist gut, der Antrieb ist durchdacht, der Preis ist fair. Und wer nur zwei Mal die Woche lädt, fährt de facto elektrisch.
Wollt ihr mehr Hybridfahrzeuge auf dem Kanal sehen? Habt ihr selbst Erfahrungen mit dem BYD Dolphin G Test gemacht oder eine Probefahrt geplant? Schreibt es in die Kommentare.