Die Zerstörung der THG Quote

Geld für E-Auto

die zerstörung der thg quote | Foto: 163 Grad
die zerstörung der thg quote | Foto: 163 Grad

Eure Kommentare zum THG Quoten Video vom 9.11.2021

Im letzten Video und Blog Beitrag hatte ich für Euch alle Details über die sogenannte THG Quote besprochen, die ab nächstem Jahr von jedem Elektroauto Besitzer in Anspruch genommen werden kann. Es gibt mir dabei vor allem um die Frage, ob die THG Quote positive Auswirkungen auf die Umwelt hat oder die Elektromobilität ist – oder ist das einfach nur eine Gelegenheit, sich ein paar Euros extra in die Tasche zu stecken… Gefragt war Eure Meinung und Ihr habt reichlich unter dem Video kommentiert.

Ich habe viele Zuschriften bekommen, die sich positiv darüber geäußert haben, dass es endlich mal darum ging, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und nicht einfach nur etwas zu verkaufen.

Seit dem letzten Video habe ich auch Gespräche geführt mit Experten, die beruflich mit diesem Thema zu tun haben und die THG Quote handeln. Wir haben uns vertrauensvoll ausgetauscht und mit diesen Hintergrund Informationen möchte ich einige Punkte zur THQ Quote nochmals hervorheben, die wichtig sind.

Der Tenor in den Kommentaren ist jedenfalls klar dafür, die THG Quote als E-Autofahrer mitzunehmen, auf die man ja ein Anrecht hat und das Geld nicht verfallen zu lassen. Grob überschlagen haben rund 80% der Kommentare die Quote entweder schon beantragt oder haben das definitiv vor. Eine klare Aussage.

Die Zerstörung der THQ Quote – Youtube Video

Das Video wurde in der Szene eifrig diskutiert. Einige Anbieter zahlen bis zu 50 Euro Empfehlungsprämien, von denen Influencer gerne profitieren. Wenn man als YouTuber z.B. 10.000 Abonnenten hat und nur 1% davon der Empfehlung folgen, sind das bei z.B. 35 Euro Kopfprämie schon mehrere Tausend Euro. Bei 20.000 Followern dann das doppelte. Klar, dass die Community da beim Empfehlungsgeber schon mal nachfragt.

Meine Einstellung ist dazu ganz klar: Wenn ich als Influencer ein Produkt oder eine Dienstleistung empfehle, dann recherchiere ich das sehr genau. Wer ist der Anbieter und wer steckt dahinter? Wie sieht das Geschäftsmodell aus? Wie tritt der Anbieter auf und mit welchen Aussagen wirbt er? All das ist für mich wichtig. Und bei der THG Quote geht es schnell um Geld. Bis zu 50 Euro werden als Kopfprämie für Neukunden gezahlt – sofern man das gewerblich betriebt 35 Euro. Wenn von 10.000 oder 20.000 Followern nur 1% der Empfehlung folgt, dann geht es schnell um ein paar Tausend Euro.

Selbstverständlich respektiere ich das Geschäftsmodell anderer Influencer, denen der maximale Erlös wichtig ist.

Bringt die THQ Quote nun etwas für die Umwelt? Bringt Sie etwas für die Elektromobilität? Oder erteilen Elektroautofahrer der Mineralöl-Industrie ein Stück Absolution, dass sie so weiter machen können wie bisher? Dafür habe ich ein paar der Kommentare aus dem letzten Video aufgearbeitet und ich denke, dann wird die ganze Sache schon klarer.

„Das Geld steht mir zu – das nehme ich auch“

Natürlich

Hintergrund ist eine EU Richtlinie von 2018 – RED II genannt und nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Spielfilm. In Deutschland wird sie mit dem Bundesimmissionsgesetz in geltendes Recht umgewandelt. Die Grundidee ist es, Geld aus der Mineralölwirtschaft in CO2 neutrale Energieträger umzuswitchen. Die Mineralölindustrie soll also eine Teil der Verkehrswende hin zu Biokraftstoffen, Strom und Wasserstoff bezahlen. Das hört sich doch soweit erstmal gut an, oder?

Bislang war es so, dass nur die Energieversorger den Strom zur Quote machen können, den Sie an öffentlichen Ladesäulen abgeben. Das ist als ein B2B Geschäft zwischen EVUs, Mineralölindustrie und Dienstleistern als Vermittlern. Und damit funktionierte der gewünschte Umverteilungseffekt auch ganz gut.

Neu ist, dass ab dem 1.1.2022 jeder Besitzer eines Elektroautos mitmischen kann in einem Markt, in dem die Profis bislang unter sich waren.

„Die THG Quote bringt etwas für die Elektromobilität“

JA und NEIN

Wenn ein EVU einen Ladepark betreibt, dann ist der Erlös über die THG Quote ein fester Bestandteil seiner Kalkulation. Ohne die Einnahmen gäbe es entweder weniger öffentliche Ladesäulen oder höhere Preise. Also hier ein klares JA für den Bereich, der von den Profis gehandelt wird.

Bei den privaten E-Auto Besitzern sieht das anders aus. Hier würde ich klar NEIN sagen. Prämie abholen und die neue Playstation kaufen? Oder ein Wochenende Malle? Die Ideen für die Verwendung der Prämie sind vielfältig laut der Kommentare unter meinem Video. Wollen wir doch mal ehrlich sein: Die Prämie für private E-Autos bringt nichts. Jeder steckt das Geld ein und gut ist. Von 300 Euro im Jahr kann man auch keine PV Anlage bauen.

„Wenn ich die Quote nicht verkaufe dann macht es der Staat“

NEIN.

Im Gesetz ist zwar die Möglichkeit gegeben, das der Staat per Durchführungsverordnung das zu irgend einem späteren Zeitpunkt machen könnte. Das ist aber aktuell nicht geplant und wird von der Branche auch nicht erwartet.

Gesetze zu machen ist immer ein aufwändiger Prozess. An den Entwürfen schreiben auch viele Lobbyisten und Verbände mit. Ausserdem dauert der Prozess recht lange. Deshalb sind Gesetze am Ende immer auch ein gut sortierter Werkzeugkasten, in dem für alle Eventualitäten Werkzeuge enthalten sind. Die Verwaltung wählt dann per Durchführungsverordnung die wirklich benötigten Werkzeuge aus.

Ein gutes Beispiel dafür – mit dem Ihr alle täglich zu tun habt – ist das Elektromobilitätsgesetzt (EmoG) – oder wie es richtig heißt “Gesetz zur Bevorrechtigung der Verwendung elektrisch betriebener Fahrzeuge” von 2015. Wie der Name schon sagt, geht es darum, Elektroautos einen gewissen Vorteil im Strassenverkehr zu verschaffen und so die Elektromobilität zu fördern. Das Gesetz sieht in §3 insgesamt 4 mögliche Vorteile vor:

  1. spezielle E-Auto Parkplätze z.B. an den Ladesäulen
  2. Ermäßigungen bei den Parkgebühren
  3. Ausnahmen von Durchfahrtsverboten
  4. Nutzung bestimmter Strassen und Wege wie z.B. die berühmten Busspuren.

Was genau das bedeutet, bestimmen auch hier Rechtsverordnungen.

Das Gesetz ist im Juni 2015 in Kraft getreten. Bis heute gibt es nur Rechtsverordnungen für das Parken und die Parkgebühren. Auch nach über 6 Jahren in der Praxis gibt es keine Anzeigen dafür, dass die Städte und Kommunen planen, die E-Autos auf die Busspur zu lassen. Da kann ich mit meinem Tesla auch schlecht die Busspur befahren, nur weil ich der Meinung bin, dass die Stadt Hamburg, das bestimmt einmal frei gibt.

Und genau so ist es auch mit der THG Quote. Es gibt keine Durchführungsverordnung, den den Staat in die Lage versetzt, nicht abgerufene Quoten zu versteigern. Das ist – aktueller Stand – auch weder geplant noch wird es von der Branche erwartet.

Sollte der Staat das tatsächlich später einmal so machen können, ist das Thema für Dich und mich auch sowieso erledigt. Warum sollten die Mineralöl-Firmen dann noch mit den kleinen Dienstleistern verhandeln, wenn sie von einer Stelle Hunderttausende Quoten in einem Rutsch bekommen könnten? Ausserdem wird es dann keine 400 Euro mehr dafür geben, sondern erheblich weniger.

Also: Ihr alleine entscheidet, ob Ihr Eure CO2 Ersparnis an die Mineralöl-Industrie verkauft. Kein anderer !

„Die THG Quote bringt etwas für das Klima“

NEIN.

Die THG Quote ist nur eine prozentuale Einsparung. Dabei ist die Referenzmenge, wieviel Liter Treibstoff verkauft werden, nicht limitiert. Wenn mehr Sprit verkauft wird darf auch mehr CO2 in die Luft geblasen werden. Solange wir davon 7%  CO2 weniger emittieren als gegenüber dem Referenzwert, ist die Quote erfüllt. Unter Umständen wurde dabei aber insgesamt mehr CO2 ausgestossen als z.B. im Vorjahr.

Deshalb hier von mir ein klares NEIN

„Benzin wird dadurch teurer und so steigen mehr Menschen auf E-Autos um“

NEIN

Die Frage ist ja, um wieviel Benzin und Diesel teurer werden, wenn Ethanol beigemischt und Zertifikate gekauft werden müssen. Ich glaube, das fällt bei den Preisschwankungen von mehreren Cent am Tag keinem Autofahrer auf. Ganz im Gegenteil: Habt Ihr schon einmal geschaut, wie teuer Strom jetzt geworden ist und wie die Anbieter von Ladekarten Ihre Preise erhöht haben? Und steigt da jetzt jemand zurück in den Verbrenner, weil Strom teurer geworden ist?

Die Impulse, sich ein E-Auto zu kaufen, sind doch andere. Das Smartphone hat sich nicht durchgesetzt, weil Nokia die Preise erhöht hat.

„CO2 Zertifikate werden ja auch gehandelt“

Der Unterschied zum Emmissionsrechte Handel ist, dass diese nur von einer Stelle – dem Staat – ausgegeben werden und in Ihrer Menge begrenzt sind. Da gibt es also eine klare Lenkungswirkung, die darauf abzielt, die CO2 Menge auf ein bestimmtes Maß zu begrenzen. Und das ist genau der Unterschied zur THG Quote, bei die absolute Menge an CO2 Äquivalenten völlig egal ist.

„Tesla verkauft seine CO2 Zertifikate an Fiat Chrysler“

Stimmt.

Tesla investiert das Geld dann aber auch in die Entwicklung und Produktion von Elektroautos. Meint Ihr, es gäbe heute z.B. einen VW ID.3 oder einen Mercedes EQS ohne den Wettbewerbsdruck von Tesla? Ich gehe sogar noch weiter und schätze, dass die meisten von Euch heute nicht in einem Elektroauto – egal welcher Marke sitzen würden – , wenn es Tesla nicht gäbe. Und ohne die Einnahmen aus dem Zertifikatshandel gäbe es Tesla nicht.

Diese Zahlungen haben das Überleben von Tesla gesichert und daher auch die Verkehrswende voran gebracht.

Von mir also ein klares JA – und damit habe ich kein Problem.

Fassen wir mal zusammen

Die THG Quote für private E-Autos bringt:

  • keine Impulse für die Elektromobilität
  • nichts für die Umwelt
  • unter Umständen eher Unruhe dass trotz der vielen Subventionen für E-Autos nun nochmal 300 Euro pro Jahr an die E-Auto Fahrer fließen

Auch nach längerer Recherche und vielen Gesprächen darüber stellt sich mir das so dar. Und die Zustimmung von vielen Zuschauern zeigt mir, dass ich damit auch nicht allein bin.

THG Quote für meine 3 Elektroautos.

Ausgangspunkt meines ersten Videos war ja die Frage, ob ich für meine 3 Elektroautos die THG Quote beantragen soll oder nicht. Bei 3 Fahrzeugen sind das immerhin schon 900 Euro für ein Jahr – eine Summe, die man kaufmännisch auch nicht so einfach liegen lassen kann.

Aus den Kommentaren unter dem Video habe ich entnommen, dass es kein Interesse in der E-Auto Community gibt, diese Gelder zu sammeln damit etwas vernünftiges auf die Beine zu stellen.

Ich habe mich deshalb wie folgt entschieden:

  1. Ja, ich werde die THG Quote beantragen.
  2. Den Erlös möchte ich entweder in ein Projekt investieren, welches nachweislich die Energiewende voranbringt oder etwas zum Klimaschutz beiträgt. Das Thema Baumpflanz-Aktion ist schon etwas abgedroschen – aber so etwas in der Art schwebt mir vor. Alternativ geht das Geld an einen karitativen Zweck vor Ort in Hamburg.
  3. Als Anbieter werde ich die Firma fairenergy auswählen. Bei fairenergy gibt es eine Art Preisgarantie, dass auch marktgerecht für die Quote gezahlt wird.
  4. Fairenergy bietet zusätzlich an, die Zahlung für die Quote (oder einen Teil davon) in nachhaltige Projekte zu investieren. Die Auszahlung erfolgt erst im Frühjahr 2022. Sofern dann bei fairenergy Projekte angeboten werden, die meiner Vorstellung aus Punkt 2 entsprechen, werde ich dort investieren.
  5. Alternativ werde ich den Betrag auszahlen lassen und in gleicher Höhe z.B. an die Sternenbrücke in Hamburg spenden

Das sagen Kunden über 163 Grad

Über Oliver Krüger 281 Artikel
Ihr Berater zum Thema Elektromobilität und saubere Energie