Mazda MX 30 – Rightsizing oder Rückschritt?

Aussen KODO innen MA

Mazda MX 30 eSkyactive Elektro Test | Foto: 163 Grad
Mazda MX 30 eSkyactive Elektro Test | Foto: 163 Grad

Der Mazda MX 30 kommt mit nur 35 kWh Akkukapazität. Ist das im Alltag ausreichend oder ein Rückschritt?

Mit dem Mazda MX 30 komme ich mir vor, als wäre ich in der Zeit um ein paar Jahre zurückgereist. Ein Crossover mit nur 35 kWh Akkukapazität, maximal 50 kW Ladeleistung und nur 200 km WLTP Reichweite? Da werden Erinnerungen an Testfahrten mit dem 2019er e-Golf, 2018er Nissan Leaf, der 2017er Renault ZOE oder dem gleichalten BMW i3 Range Extender wach. Heutige Elektroautos haben mindestens 50 bis 60 kWh Akku und Reichweiten um die 400 km WLTP mit dazu passender Ladeleistung von 100 kW max.

Doch Mazda meint, dass grosse Batterien nicht immer nötig sind. Und statt so viele Rohstoffe für die Herstellung einer Fahrbatterie zu verwenden, ließen sich davon auch 2 Elektroautos bauen, die kleiner und bedarfsgerechter dimensioniert sind. Rightsizing ist der Fachausdruck dafür. Grund genug, dass ich mir den Mazda MX 30 einmal genauer angeschaut und in der Praxis gefahren habe.

Aussen KODO – innen MA

Der MX 30 ist das erste Elektroauto von Mazda. Die Japaner möchten deshalb in Punkto Design ein klares Statement abgeben. Mit klarer Linienführung und minimalistischer Optik soll der Crossover Emotionen wecken. Mazda spricht vom KODO (japanisch „Herzschlag“) Design und möchte an japanische Handwerkstraditionen anknüpfen. Dazu passt auch die 3-Farb Lackierung. Mein Testwagen steht in Polymetal Grey da. Empfehlen würde ich tatsächlich das Mondstein-Weiss, welches das schörkellose Design des MX 30 noch besser hervorhebt.

Innen präsentiert sich der Mazda puristisch, aufgeräumt und klar. Alle Bedienelemente sind dem Fahrer zugewandt und bequem erreichbar, ohne dass man sich vorbeugen muss. Die Mittelkonsole scheint frei zu schweben und nimmt die Bedienelemente für Heizung und Klimatisierung auf. Teile der Mittelkonsole und die Türgriffe innen sind mit Kork belegt – als Reminiszenz an den Ursprung von Mazda als korkverarbeitender Betrieb vor über 100 Jahren.

Das Design des Innenraums kann in 2 Varianten gewählt werden: modern confidence (hell mit Stoffsitzen) oder industrial vintage (dunkel-bräunlich mit veganem Kunstleder). Auch für das puristische Innenraum Design haben die Japaner einen Ausdruck: MA. Aussen KODO – innen MA.

Freestyle Doors – mit allen Nachteilen

Kommen wir zur Praxis mit dem Mazda MX 30. Als erstes fallen die gegenläufigen Türen auf, die wir schon z.B. vom BMW i3 kennen. Das Türkonzept ist Bestandteil der Designsprache des Autos und macht ihn optisch besonders. In der Praxis haben diese Türen aber erhebliche Nachteile, wenn es darum geht, schnell mal hinten einzusteigen. Der Gurt des Fahrers hängt an der hinteren Tür und sind mehrere Bedienschritte notwendig, bis der Weg zur Rückbank endlich frei ist. Dazu kommt das Problem mit engen Parklücken, in denen sich der MX 30 Fahrer mit den beiden Türen quasi selbst einmauert.

Konstruktionsbedingt „arbeiten“ die Türen während der Fahrt und verursachen leichte Quietschgeräusche. Schaut am besten einmal in das Video, in dem ich das in der Praxis vorführe. Den Mazda MX 30 würde ich deshalb als 2-Sitzer einordnen, in dem man gelegentlich hinten mal jemanden mitnehmen kann.

120 – 160 km Praxisreichweite

Kommen wir zur Reichweite. Diese ist mit 120 bis 160 Praxis-Kilometer eigentlich für die allermeisten Tage mehr als ausreichend. Und wenn Du z.B. am Arbeitsplatz oder zuhause an der eigenen Wallbox aufladen kannst, besteht wirklich kaum Notwendigkeit für mehr Akku und mehr Reichweite. Die Ladegeschwindigkeit zuhause lag an meiner Wallbox bei 7.2 kW einphasig. Diese Schieflasten werden in Deutschland zwar nicht gerne gesehen. Die Ladeleistung ist aber ausreichend, wenn das Auto für mehrere Stunden steht – z.B. über Nacht in der Garage.

Schwierig wird es auf längeren Strecken. Die sind dank des CCS Ladeanschlusses zwar möglich. Die Ladeleistung liegt laut Prospekt in der Spitze bei 50 kW – in der Praxis bei unter 40. Teilweise lud der MX 30 bei 50% SOC nur noch mit weniger als 20 kW. In Kombination mit der geringen Reichweite würde ich den Mazda als nicht reisetauglich einstufen – es sei denn, Du hast wirklich Spass daran, die Strecke Hamburg – Köln mit 2 bis 3 längeren Ladestopps zu fahren.

Dazu passt dann auch die Navigation im MX 30, die zwar Ladesäulen anzeigt, aber weder die momentane Reichweite des Autos kennt, noch eine Ladeplanung macht. Dafür ist aber Apple CarPlay an Board und Du kannst mit Abetterrouteplanner planen.

Mazda MX 30 – der ideale Zweitwagen

Womit wir dann bei der Frage sind, für wen sich der MX 30 wirklich eignet. Das Auto selbst ist klasse. Die leicht erhöhte Sitzposition entspricht dem Bedürfnis vieler Kunden. Fahrkomfort und Strassenlage sind sehr gut.

Ideal ist der MX 30 als Zweitwagen für die Fahrten im näheren Umfeld, in der City, für den Arbeitsweg. Und wenn dann noch eine eigene Wallbox in der Garage dafür sorgt, dass der Mazda mit einem vollen Akku in den Tag startet, dann passt alles.

Die Preisempfehlung von 34.490 Euro vor Förderung schreckt für einen Zweitwagen zunächst etwas ab. Der MX 30 liegt aber nicht so im Fokus vieler Interessenten wie z.B. ein Tesla Model 3. Deshalb gibt es für den Mazda auch interessante Angebote und die Marktpreise liegen deutlich darunter.

Technische Daten Mazda MX 30

  • 4,40 m lang / 1,85 m breit / 1,55 m hoch
  • 145 PS / 107 kW Leistung
  • Frontantrieb
  • 9,7 Sek von 0 auf 100 km/h
  • 140 km/h max
  • Leergewicht ca. 1,7 t
  • Akku 35,5 kWh
  • 200 km WLTP
  • 19 kWh / 100 km WLTP
  • Laden DC 50 kW max
  • Laden AC 1-phasig 6,6 kW max

(Herstellerangaben Stand Dezember 2021)

Über Oliver Krüger 262 Artikel
Ihr Berater zum Thema Elektromobilität und saubere Energie